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Eine Bierlaune wird erwachsen

Karpfenland Aischgrund feiert 20-jähriges Bestehen

HÖCHSTADT (enz) – Am 31. August 1999 wurde der Verein Karpfenland Aischgrund ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Karpfenfans aus der Region feierte der Verein am Wochenende sein 20-jähriges Bestehen. Dazu gehörte im Hof der Höchstadter Fortuna Kulturfabrik auch ein gemeinsames Anessen. Der Verein fördert Teichwirtschaft, Tourismus und Kommunen – und wurde laut dem Vorsitzenden Gerald Brehm so zu einem wichtigen Standortfaktor.

Karpfenland Aischgrund ist eine Erfolgsgeschichte geworden“, fasst Gerald Brehm die Geschichte des Vereins in einem Satz zusammen. Dass dies so sein würde, davon waren bereits die 40 Gründungsmitglieder überzeugt. Auch wenn damals noch nicht klar war, in welcher Weise der Verein tätig sein sollte. „Der Karpfen ist weltweit in der Fischerei das wichtigste Produkt. Noch vor Forelle und Lachs“, betont Dr. Martin Oberle. „Aber halbe Karpfen gebacken, das gibt es nur bei uns“. Ebenso wie die Weiherlandschaft mit über 7.000 Teichen. „Diese Alleinstellungsmerkmale zu erhalten und zu fördern, das haben wir uns zur Aufgabe gemacht“, erinnert Gerald Brehm. „Das wir am Ende unter europaweit 10.000 Projekten eines von 40 besonders ausgezeichneten werden würden, war natürlich nicht zu erwarten“. Es überrascht jedoch nicht, wirft man einen Blick ins Vereinsarchiv. Da sticht zunächst Friedolin ins Auge. Seit März 2001 ziert der weltgrößte Steinkarpfen den Höchstadter Kreisel. „Den haben wir gemeinsam mit dem Rotary-Club Neustadt möglich gemacht. Obwohl es bereits einen anderen Stadtratsbeschluss gab“, erzählt Brehm. Walter Jakob, sein Stellvertreter, erinnert sich noch an den Gestaltungsprozess. „Mit 30 Personen sind wir nach Langenfeld gefahren. Dort haben wir dann gemeinsam mit Bildhauer Bertold Schneider an einem Modell aus Styropor gefeilt. Solange, bis ein echter Spiegelkarpfen entstand“. Um die Namensgebung kümmerte sich dann Dr. Martin Oberle. „Auf dem Altstadtfest habe ich dazu eine Bürgerbefragung gemacht. Am Ende gab es acht Stimmen für Beppo – und 10 für Friedolin“. Der Rest ist Geschichte, ebenso wie das Aufstellen. „Für den Autokran brauchten wir eine Sperrung der B 470“, erinnert sich Walter Jakob. „Das Landratsamt hielt das für unmöglich. Zum Glück hat dann die Polizei einfach für eine Viertelstunde dicht gemacht“.

Unbürokratische Hilfe ermöglichte auch das Aufstellen eines touristischen Hinweisschildes an der A 3. „Man glaubt nicht, was für eine große Wirkung so ein Schild hat“, erklärt Brehm. „Aber unser Antrag war zunächst abgelehnt worden. Erst ein paar gemeinsame Glas Bier mit Günter Beckstein im Höchstadter Hirschen machten es möglich“. Das Schild war eines der ersten seiner Art, betont Brehm. Inzwischen gibt es sie fast überall. Ein weiterer Beleg für die vorausschauende Arbeit des Vereins. Wenn auch die Einweihung beinahe in einer Katastrophe geendet hätte. „Die Autos sind ungebremst vorbei gerast. Aber sie haben nur noch auf uns geachtet, nicht auf den Verkehr“, erinnert sich Hans Herold. „Wir sind nur um Haaresbreite einer Karambolage entgangen“. Neben Erinnerungen hatte der Ipsheimer Landtagsabgeordnete auch die Glückwünsche des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im Gepäck. „Wir sind froh, dass ein landkreisübergreifendes Netzwerk entstanden ist. Auf diese Weise konnten zahlreiche EU-Fördergelder in die Region geholt werden“. Wie zuletzt beispielsweise für einen Spielplatz-Karpfen im Windsheimer Kurpark.

Lobende Worte findet auch Erlangens Landrat Alexander Tritthart. Er hebt vor allem das ehrenamtliche Engagement im Verein heraus. „In vielen Vereinen wird es immer schwerer, Menschen zu finden die längere Zeit freiwillig Verantwortung tragen. Hier machen das einige schon seit 20 Jahren“. Das Aufgabenfeld habe aus Sicht Trittharts in dieser Zeit an Bedeutung gewonnen. „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, regionale Produkte hoch zu halten.“ Dies gelingt, da sind sich Tritthart und sein ehemaliger Herausforderer Oberle einig, dem Verein ausgezeichnet. Auch, weil er gemeinsam mit den Teichgenossenschaften die Zertifizierung des Original Aischgründers als europaweit geografisch geschützte Angabe erreicht hat. Ebenso wie die Zertifizierung von Karpfenküchen, die auf dieses Qualitätsprodukt setzen. „Gut 50 Stück gibt es heute davon“, weiß Gerald Brehm. „Einige auch außerhalb des Aischgrundes, zwei sogar in München“. Diese Qualitätsoffensive, davon ist Walter Jakob überzeugt, habe nicht nur positive Impulse für den Verkaufspreis gebracht. „Der Karpfen ist nun auch bei Menschen im Bewusstsein, die nichts mit Karpfenzucht zu tun haben“. Und die nehmen gerne Anteil, wie die Vereinsstatistik zeigt. Hielt Alt-Landrat Eberhard Irlinger mit 68 pro Saison gegessenen Karpfen den Rekord, so liegt die Messlatte heute bei 210.

Auf dem Erfolg der letzten 20 Jahre wollen sich Gerald Brehm und sein Team freilich nicht ausruhen. Die nächsten Schritte sind bereits geplant. So soll ein Teichkultur-Park die aufwändige, kleinteilige Teichwirtschaft erlebbar werden lassen. Aber auch das Netzwerk soll weiter ausgebaut und beispielsweise der Karpfenradweg bis Dinkelsbühl reaktiviert werden. Außerdem soll die Werbung verstärkt werden. „Denn wichtig ist, dass am Ende auch wirtschaftlicher Erfolg steht. Sonst wird sich die nächste Generation nicht für Arbeit in der Teichwirtschaft begeistern“, ist Landrat Tritthart überzeugt.

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