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Abfischen zum Saisonstart

HÖCHSTADT (enz) – Mit einem gemeinsamen Abfischen startete das Karpfenjahr 2019/2020 in Höchstadt. Es ist die zwanzigste seit Gründung des Fischerei- und Tourismusfördervereins Karpfenland Aischgrund. Deshalb waren neben den beiden Karpfenköniginnen auch zahlreiche Vorstandsmitglieder und Schaulustige an die Weiherkette zwischen Höchstadt und Lappach gekommen. Bei Bilderbuchwetter erlebten sie eine gute Ernte.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass Zuschauer beim Abfischen dabei sind“, betont Gerald Brehm. Die Gründe dafür sind vielfältig. In Abhängigkeit von Wetter und Nachfrage stehen die Termine häufig erst kurzfristig fest. Häufig erfolgt das Abfischen aber auch in den frühen Morgenstunden. „Gegen fünf Uhr morgens sind die Tiere noch ausgeruht und besonders robust. Da macht ihnen die Aufregung weniger aus“, erklärt Teichwirt Leonhard Thomann. „Aber genau heute vor 20 Jahren wurde unser Verein Karpfenland Aischgrund ins Leben gerufen“, betont Brehm. „Deshalb sind wir sehr dankbar, dass Konrad Scheubel uns zum Jubiläums-Abfischen eingeladen hat. Und das mit Samstag früh um sieben auch noch zu einer humanen Zeit.“

Gefischt wird im zwei Tagewerk großen Himmelsweiher nach K3. So wird der typische fränkische Speisekarpfen genannt. „Das bedeutet, der Fisch hat drei Sommer im Weiher erlebt“, erläutert Dr. Martin Oberle. „Dann bringt er ein Gewicht von zirka 1 bis 1,5 Kilo auf die Waage“, so der Leiter des Höchstadter Amtes für Karpfenteichwirtschaft. Er prognostiziert ein gutes Karpfenjahr. „Der Karpfen liebt die Wärme. Wenn er genügend Wasser hat, gedeiht er unter der Sonne hervorragend.“ Deshalb sind die Karpfen, die wenig später in den Keschern zappeln, erstaunlich groß. „Früher wäre das ein Problem gewesen“, erinnert sich Oberle. „Niemand wollte Karpfen, die über die Pfanne hinausragen.“ Heute ist das anders. „Inzwischen ist Karpfenfilet sehr gefragt. Dazu sind etwas größere Karpfen hervorragend geeignet“. Das finden auch die scheidende Karpfenkönigin Nina I. und ihre Vorgängerin Katrin Uano. Beide haben sich die Wathose übergestreift und unterstützen die Männer beim Abfischen. Das muss schnell gehen um die Fische vor Einsetzen sommerlicher Temperaturen in den Transportbehälter zu bekommen. Was den Routiniers natürlich problemlos gelingt.

Allein die Wassernot des Sommers drückt ein wenig auf die Stimmung der Karpfen-Experten. „In Nackendorf mussten wir in diesem Jahr sogar mit der Feuerwehr eingreifen, um massenhaftes Tiersterben zu verhindern“, sagt Gerald Brehm. Durch das Einpumpen von Frischwasser und Sauerstoff konnte Unheil verhindert werden. „Das geht aber nur im äußersten Notfall. Denn Trinkwasser ist ein hohes Gut – und unser Grundwasser begrenzt“. Vielerorts, so berichtet Leonhard Thomann, kämpften die Teichwirte deshalb alleine mit Dieselpumpen gegen das Fischsterben. „Allerdings geht das auch nicht auf Dauer. Dazu kann man mit dem Karpfen zu wenig verdienen“. Er fordert deshalb finanzielle Unterstützung vom Staat. Nicht, weil die Ernte in diesem Jahr besonders schlecht wäre. „Sondern, weil ein Weiher ein Selbstbedienungsladen der Natur ist. Hier können sich alle versorgen – vom Otter über den Kormoran bis zu den Insekten an den unbefestigten Uferstreifen.“

Dies sei, da ist man sich bei Karpfenland Aischgrund einig, ganz im Sinne der Bevölkerung – und verweist auf Positionen und Erfolg der Initiative Pro Biene im Frühjahr. „Möglich ist der Erhalt unserer Heimat aber nur, weil wir immer noch so Fischen wie unsere Großväter“, betont Konrad Scheubel. Deshalb gäbe es seit 40 Jahren allerdings keine Ertragsteigerungen mehr. Immer mehr Weiher würden aufgegeben. „Kein Wunder. Die gleiche Fläche bringt in der Forellenzucht das 100- bis 200-fache an Ertrag“, ergänzt Thomann.

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