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Helmut Haberkamm - Mein Aischgrund

 

Aischgrund. Wenn das Wort heute fällt, denken die meisten an Weiherketten und Spiegelkarpfen, und das mit gutem Grund.
Anderen schießt sofort Sprudelwasser in den Sinn: Franken Brunnen läßt grüßen. Hufnagel, Windsheimer, Freilandmuseum, NEAndertaler, Frankens gemütliche Ecke, Naturpark Steigerwald. Allenthalben hört man es raunen von Karpfenschmeckerwochen, Bullenparaden, einer Bierstraße, einer Bocksbeutelstraße, einem Aischtalradweg.
Große Namen wie Franz Daniel Pastorius, Peter Kolb oder Georg Friedrich Rebmann bringt leider kaum einer ins Gespräch.
Manche kennen die Aischgründer Zuverlässigkeitsfahrt, wenn im Herbst röhrende Motorräder durch das morastige Gelände donnern. Viele erinnern sich an den TSV Vestenbergsgreuth, die legendäre Teebeutel-Truppe aus der Pampa, die einst die Münchner Bayern aus dem DFB-Pokal warf. Die wenigsten wissen, daß nicht nur Martin Bauer, dessen Kräuter-Unternehmen den Grundstock legte für die heutige SpVgg Greuther Fürth, aus diesem kleinen Dorf »Greid« stammte, sondern daß auch Gustav Schickedanz hier als Hausierer mit einem Bauchladen seinen Aufstieg begann, ganz ähnlich übrigens wie Michael A. Roth, der als junger Kerl in Demantsfürth anfing von Tür zu Tür zu ziehen, um altes Eisen zu sammeln und Linoleum unter die Leute zu bringen.
Insofern ist der Aischgrund die Wiege gewesen für den Quelle-Konzern und das ARO-Teppichboden-Imperium. Ohne den Aischgrund wären also die Clubberer und die Kleeblättler »halt bloß bessera Browinz-Bolzer bliem«. 

Auszug aus "Mein Aischgrund" von Helmut Haberkamm und Erich Weiß, erschienen im Verlag Fränkischer Tag

 

Zugegeben, der Aischgrund liegt eigentJich etwas ab vom Schuß, aber er hat es in sich. Etlichen bedeutsamen Besuchern verdanken wir großartige Zeugnisse über diese Landschaft. Martin Luther predigte hier, Thomas Müntzer tauchte einmal auf, Casanova stieg in Emskirchen ab, Maria Theresia in Neustadt an der Aisch, Napoleon zog mit seinem Heer durch Richtung Rußland, etliche Jahre später scharte Adolf Hiler hier seine ersten Söldner um sich, bevor er die jungen Männer ebenfalls auf die Felder der Ehre nach Rußland schickte. Aber wenden wir uns lieber erquicklicheren Geistern zu...

Als der Dichter Friedrich Hölderlin vor über 200 Jahren das Aischtal durchwanderte, notierte er in seinem Notizbuch das folgende Fragment:

Gastfreundlich nahmst du, Behäbige, bei dir mich auf,
Lehrtest dem Fremdlinge, schlummerlos unter Gestirnen,
Das strömende Wort mit freiem Genügen; ein Wiegensang,
Schicksalskundig und traurigfroh, Aisch, deine Gestade,
Die vielbeglückten, hingleitendes Bildnis im sonnigen Herbst,
zwischen fränkischen Buckeln, bei Glocken und goldigen Birnen ...


Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck, die zwei Berliner Studenten in Erlangen, die im Jahre 1793 voller Begeisterung das »Muggendorfer Gebürg« bereisten und damit die Fränkische Schweiz als romantische Seelenlandschaft erst entdeckten, stießen im Aischgrund freilich auf weniger ansprechende Phänomene: »Unter den Frauen finden sich viele ungestalte, stockige Figuren mit kropfigen Hälsen, sie tragen eine dickwulstige Tracht und Kopftücher, als wenn sie
Zahnweh hätten. Gegen Forchheim zu sprechen sie am undeutlichsten und verwirrtesten, mit einem breiten, vollen Munde, in dem die Worte hin- und herpurzeln wie weiche, heiße Klößbrocken. Fragt sie der Fremde nach dem Weg, so bekommt er ein ungeheuerliches Kauderwelsch zu hören, in dem Wortbrocken wie Ding dodd droom, Drimmer dodd drund und Drimmla dodd dreem wild durcheinanderprallen ...
Bei Willersdorf sahen wir das allermerkwürdigste Mysterium: ein ochsenblutrotes Balkenkruzifix, dessen vergoldete Christusfigur verschwunden war, nur die Hände und Füße waren noch angenagelt am Holz verblieben, als hätte der Heiland Hals über Kopf stiften gehen müssen und hätte darüber seine äußersten Gliedmaßen zurückgelassen. Ein Gleichnis ganz eigener Art. Franken mit Hand und Fuß gewissermaßen.«
Nun ja, die hopfenherbe Schönheit des Aischgrunds kommt eben nicht immer so leicht zum Vorschein. Im Nachlaß von Johann Peter Hebel, dem Verfasser des »Rheinischen Hausfreundes«, der als Student in Erlangen weilte, fand sich eine Kalendergeschichte über das »wunderliche Gesicht von Tragelhöchstädt«, eine Begebenheit »in einem der beschaulichsten Winkel des Frankenlandes, dem stillen Weihergründlein der Ägelsbach, als vor langer Zeit ein fürchterliches Untier am Himmel Sieben Menschen hinfort gerissen, mitsamst dem Grund unter ihren Füßen«.
Jean Paul, der große Erzähler aus Bayreuth und Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der preußische Musiker und Literat in Bamberg, wanderten 1810 einmal gemeinsam an der Aisch entlang, verglichen das Land mit seinen Bäumen im Abendsonnenschein mit einem »Damenhut voller Blumen hinter einem Kronleuchter« und erblickten »kühne Recken, glänzend wie die Butterkremtorten«. Die beiden versumpften dann gotterbärmlich in diversen Brauschänken zwischen Schlammersdorf und Lonnerstadt, so daß sie schließlich mit erhobenen Wanderstöcken auf verdatterte Bauern losgingen, wie die Scheunendrescher auf Heuböcke einschlugen und dabei laut »Dulcinea! Genoveva! Thusnelda!« brüllten. Wochenlang laborierten die beiden noch an den aischgründlichen Prellungen und Blutergüssen, die sie von diesem Hintertreffen davontrugen.
Victor von Scheffel, der Verfasser des berüchtigten Frankenliedes, dichtete hier die wenig bekannte Ballade von den »Herrgottsköpf und Schlappenschustern«, was auf die Spottnamen der Dachsbacher und Herzogenauracher Bezug nimmt:

Du Herrgottskopf in Dachsbach dort
du wirst dir Hörner holen,
denn wie der Nibelungenhort
wird dir dein Stolz gestohlen!
So wie du Stärk' gewonnen,
wird dir der Staat' genommen!


Die unzweifelhaft eindrucksvollste und tiefgründigste Untersuchung dieser Gegend verdanken wir allerdings Jakob Wassermann, dem fabulierfreudigen Verfasser von Romanklassikern wie »Das Gänsemännchen«, »Caspar Hauser« und »Der Fall Maurizius«. Der gebürtige Fürther schrieb nach einer Wandertour im Jahre 1902 einen Aufsatz über den Aischgrund, der zum Besten gehört, was jemals über diese Region zu Papier gebracht wurde. (Im Buch könnten Sie jetzt weiterlesen ...)


Mit freundlicher Genehmigung von Helmut Haberkamm und dem Verlag Fränkischer Tag

 

WebCam mit Blick auf den Marktplatz Höchstadt/A.


Die WebCam in
Neustadt a.d. Aisch


 

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Ein paar Bilder gibt es hier
 


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